Entwicklung und Geschichte

Die Ursprünge der Schreibmaschine sind nicht bekannt. Erste Hinweise auf eine Maschine stammen aus dem Jahr 1682. Da man davon jedoch weder das Modell noch den Namen des Erfinders kennt, einigte man sich auf Henry Mill, der 1714 das erste bekannte Patent für den Vorläufer der Schreibmaschine erhielt. Aber auch von dieser Konstruktion sind weder Zeichnungen erhalten, noch verrät die Beschreibung die konstruktiven Einzelheiten. Er bekam sein Patent wohl nur für die Idee einer Schreibmaschine.

Der Polygraph von Thomas Jefferson - eine frühe "Schreibmaschine

Die erste wirklich gebaute Schreibmaschine stammt deshalb wohl von dem Italiener Pellegrino Turi aus dem Jahre 1808. 1832 machte Karl Drais einen Vorschlag einer Schreibmaschinentastatur, unter welcher der Papierstreifen durch ein Uhrwerk weiterbewegt werden sollte. Die erste Schreibmaschine mit Farbband wurde 1855 von dem Italiener Giuseppe Ravizza aus Novara konstruiert. Von 1864 bis 1869 entwickelte der Tiroler Peter Mitterhofer fünf verschiedene Typen von Schreibmaschinen aus Holz. Die erste funktions- und marktfähige Schreibmaschine, die so genannte Skrivekugle oder Schreibkugel, erfand der Direktor des dänischen Taubstummeninstitutes, Pastor Malling Hansen im Jahr 1865. Die ersten Modelle waren teilelektrifiziert (Tastenauslösung und Wagenrücklauf), und ab 1875 wurden die Bestseller auch in Wien durch die Firma Szabel handwerklich gefertigt. Mit der Schreibkugel beginnt somit die Geschichte der gewerblich verkauften Schreibmaschinen.

Der berühmteste Kunde von Malling Hansen war der Philosoph Friedrich Nietzsche.

Remington

Die erste in größeren Stückzahlen hergestellte Schreibmaschinen war der Sholes & Glidden Typewriter der US-amerikanischen Waffenfabrik Remington, die 1874 unter der Leitung von Christopher Latham Sholes entwickelt worden war. In sie waren die Erfahrungen von beinahe dreißig Vorgängermodellen eingeflossen.

Sholes & Glidden Typewriter, 1876

Die Sholes & Glidden hatte 44 Tasten und konnte nur Großbuchstaben schreiben. Bei den frühen Modellen erfolgte der Wagenrückzug über ein Fußpedal. Die Remington Nr. 2 erschien 1878 und konnte zwischen Groß- und Kleinbuchstaben umgeschaltet werden und das Farbband selbständig transportieren. Außerdem hatte sie wie das Vorgängermodell bereits das QWERTZ-Tastaturlayout (englisch: QWERTY-Tastaturlayout).

Weitere Entwicklung

Die erste in Deutschland produzierte Schreibmaschine wurde 1882/83 von der Hamburger Nähmaschinen-Fabrik Guhl & Harbeck unter der Bezeichnung „Hammonia“ auf den Markt gebracht. Geringe Stückzahlen wurden nach England und Kanada exportiert.

Die Harmonia von Guhl & Harbeck

1893 ließ der in die USA emigrierte deutsche Konstrukteur Franz Xaver Wagner die Typenhebelschreibmaschine patentieren. Wagner hatte zusammen mit seinem Sohn Hermann unter anderem das Segment, den Zwischenhebel und damit das so genannte Wagnergetriebe erfunden. Diese Erfindungen ermöglichten es schließlich, eine Maschine mit Typenhebeln zu bauen, bei der man das Geschriebene sofort sehen konnte. Davor musste man dazu erst den Wagen oder die Walze nach oben klappen. Diese neue Maschine wurde 1896 von dem Unternehmer John T. Underwood auf den Markt gebracht. Underwood war Produzent von Tinten und Farbbändern. Als Underwood bei Remington seine Produkte vorstellen wollte, teilte man ihm lapidar mit, dass Remington seine Farbbänder selbst herstelle. Underwood entgegnete nur, dass Underwood dann eben künftig auch seine Schreibmaschinen selbst herstellen würde. Die erste Underwood-Schreibmaschine wurde daraufhin nach von den Wagners gekauften Patenten entwickelt. Underwood hatte insbesondere mit dem Modell No. 5 aus dem Jahre 1900 sehr großen Erfolg in den USA. Diese Maschine setzte in Ihrer Konstruktion den Maßstab für alle nachfolgenden Maschinen anderer Hersteller weltweit. 1920 waren über 50 % aller Schreibmaschinen in den USA von Underwood. Die erste Blindenschreibmaschine wurde 1899 von Oskar Picht erfunden. 1903 kam mit der Blickensderfer Electric die erste elektrische Schreibmaschine. Diese konnte sich jedoch nicht auf dem Markt durchsetzen, obwohl die Technik der Konkurrenz um Jahrzehnte voraus war. Vermutlich scheiterte sie daran, dass es in den verschiedenen US-Bundesstaaten keine einheitliche Netzspannung gab oder gar manche Orte nicht über Elektrizität verfügten.

Zwischen 1903 und 1933 baute AEG 350.000 Zeigerschreibmaschinen vom Typ Mignon.

AEG Mignon

Bei ihr wurde mit der linken Hand der Zeiger zum gewünschten Buchstaben geführt und mit der rechten Hand auf das Papier gebracht. 1910 gab es in den USA bereits mehr als einhundert Schreibmaschinenfabriken. 1910 kam aus Dresden mit Erika No. 1 die erste deutsche Reiseschreibmaschine. 1921 erschien auf dem deutschen Markt die Mercedes Elektra, eine mechanisch angetriebene Schreibmaschine mit seitlich angeflanschtem Elektromotor.

Werbung für die "Erika"

Es gab auch eine Version dieser Maschine, welche anstelle des Motors eine Riemenscheibe hatte, um den Antrieb über eine Deckentransmission (meist mit einer Dampfmaschine angetrieben) zu ermöglichen. Der Lärm in Schreibsälen mit über 50 solcher Maschinen war recht enorm. Die Rechte der Nutzung des Namens Mercedes für seine Schreibmaschine hatte sich der findige Hersteller vom Automobilbauer Mercedes Benz erkauft, in der Hoffnung, alleine über den Namen, welcher damals schon allgemein für Qualität und Robustheit stand, dem Käufer zu suggerieren, eine besonders wertige Maschine gekauft zu haben. Kleinere Verbesserungen gab es immer wieder

IBM

Die großen Innovationen kamen nach dem 2. Weltkrieg zumeist von IBM. 1947 erschien zum Beispiel mit der IBM Executive die erste Schreibmaschine mit Proportionalschrift. 1962 begann IBM mit dem Verkauf der ersten Schreibmaschinen mit Kugelkopf, der IBM 72, und brachte damit eine Maschine mit einem gänzlich neuen Konstruktionsprinzip heraus. Die Kugelkopfschreibmaschine war mechanisch ein Meisterwerk und äußerst komplex. IBM hielt über mehrere Jahre ein Patent für diese Technologie. Als dieses auslief und andere Hersteller (wie zum Beispiel Triumph-Adler mit der SE-1000) ebenfalls längst entwickelte Kugelkopfschreibmaschinen endlich aus der Schublade ziehen und auf den Markt bringen konnten, war dieser für Kugelkopfmaschinen jedoch nicht mehr sehr empfänglich. Schon bald erschienen die ersten elektronischen Schreibmaschinen. In den 1960er Jahren eroberte mit der Selectric von IBM die elektrische Schreibmaschine endgültig die Büros.

IBM Selectric

Ende der 1960er kam zusätzlich zum herkömmlichen Farbband, einem mit einer tintenähnlichen Farbe ein- oder zweifarbig eingefärbten Textilgewebeband aus Seide oder Baumwolle, Kunststoff-Farbbänder zum Einsatz. Diese mit Carbon beschichteten Bänder boten einen sehr gleichmäßigen Abdruck mit maximaler Färbung. Allerdings mit dem Nachteil, dass nur wenige Schreiben mit einem solchen Farbband geschrieben werden konnten, da es nur in einer Richtung ablief und danach weggeworfen wurde. Die angeschlagene Type brachte das gesamte Carbon an dieser Stelle auf einmal vom Farbband auf das Papier. Diese Farbbänder waren auch in vielen anderen Farben erhältlich. Mit dem Aufkommen von Schreibmaschinen mit direkter Korrekturfunktion (über ein spezielles Korrekturband, welches die Farbe vom Papier wieder abhob) wurde noch unterschieden, ob ein solches Carbonband überhaupt korrekturfähig war oder nicht. Auch konnte man von einem benutzten Farbband ablesen, welche Typen angeschlagen wurden und somit praktisch die ganze Korrespondenz, die mit dieser Maschine geschrieben wurde. Für wichtige Dokumente, zum Beispiel bei Banken oder Notaren, durften daher ausschließlich nicht korrigierbare Farbbänder verwendet werden, welche nichts über das Geschriebene preisgaben. Um zu verhindern, dass versehentlich das falsche Farbband eingelegt wurde, hat man in die betroffenen Schreibmaschinen eine so genannte Bankensperre eingebaut, die über eine mechanische Kodierung das Einlegen eines korrekturfähigen Farbbandes verhindert. 1973 wurde von IBM die so genannte tastengesteuerte Korrektureinrichtung eingeführt.

Computersysteme verdrängen die klassische Schreibmaschine

Die Entwicklung der Schreibmaschine erreichte schon Ende der 1980er Jahre ihren Höhepunkt. Die sehr teuren Spitzenmodelle waren mächtige Textverarbeitungssysteme und verfügten über einen Bildschirm, Diskettenlaufwerke und andere Massenspeicher, waren komfortabel, ergonomisch, schnell und lieferten ein makelloses Schriftbild, viel besser als die damals üblichen Matrixdrucker der bereits boomenden EDV. Diese Systeme kosteten jedoch gerne mehrere tausend Deutsche Mark, waren aber dafür als wahre Büromaschinen für die tägliche achtstündige Arbeit ausgelegt. Am anderen Ende waren die kleinsten Schreibmaschinen schon für weniger als 100 Euro zu haben, da immer mehr Bauteile preiswert aus Kunststoff gefertigt und die Elektronik immer höher integriert werden konnten. Aktuell gibt es noch Schreibmaschinen des japanischen Herstellers Brother, der aber aufgrund der Marktlage (Konkurrenz zum Computer) das Sortiment der höherwertigen Textverarbeitungssysteme der zuletzt MS-DOS-kompatiblen Displayschreibmaschinen mit eingebautem Diskettenlaufwerk (LW-Reihe) zugunsten der einfacheren herkömmlichen Schreibmaschinen der AX-Reihe einstellte. Die zuletzt gebaute Schreibmaschine der LW-Reihe war die Brother LW-840ic, die einem Computer nur in wenigen Dingen wirklich unterlegen war. Kurz gesagt, ist eine LW-840ic ein Laptop-Computer mit integriertem Tintenstrahldrucker.

Das Ende vom Lied

2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Verbraucherpreisindex gestrichen, nachdem sie längst von den Computern verdrängt worden war.

Liste von Schreibmaschinen-Herstellern

• Adler (siehe auch Adlerwerke)
• AEG (später fusioniert mit Olympia zu AEG-Olympia)
• Archo
• Bing
• Brother
• Canon
• Continental
• Frister u. Rossmann (Senta)
• Furtwängler Söhne (Cardinal) in Furtwangen
• Grandian
• Grundka (III, Geniatus)
• Hermes
• IBM
• Imperial (war ein Markenname der Triumph-Adler AG)
• Kappel
• Mercedes (Elektra) in Zella-Mehlis
• Clemens Müller (Perkeo, Urania) in Dresden
• Olivetti
• Olympia
• Optima
• Remington
• Rheinmetall/Borsig
• Royal (war ein Markenname der Triumph-Adler AG)
• Seidel u. Naumann (Ideal, Erika) in Dresden
• Siemag
• Stoewer (Modell 1-5, Stoewer Record, Stoewer Elite) in Stettin
• Torpedo
• Triumph (später fusioniert mit Adler zu Triumph-Adler)
• Triumph-Adler
• Underwood
• UTAX
• Vasanta
• Wanderer (Continental) in Chemnitz

 

 

Hinweis

Dieser Artikel ist aus Wikipedia entnommen. Dort finden Sie auch weitere Informationen zum Thema - mehr...